Häufige Irrtümer über Vogelfotografie – und die Wahrheit

von Tim Laman

Gibt es etwas, das Sie davon abhält, Ihr Potenzial in der Vogelfotografie auszuschöpfen?
Vielleicht sind Sie einem der folgenden verbreiteten Irrtümer aufgesessen.
Lesen Sie weiter, um zu sehen, ob einer davon auf Sie zutrifft – ich werde mein Bestes tun, um ihn aufzuklären!

Irrtum Nr. 1:
Tolle Fotos gelingen nur an exotischen Orten.


Ich gebe zu, dass ich gerne an exotische Orte reise, um Vögel zu fotografieren, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Aber ist das notwendig, um gute Vogelfotos zu machen? Ganz und gar nicht. Wo auch immer Sie auf der Welt leben, es gibt Vögel in Ihrer Nähe. Städtische Parks, Naturschutzgebiete und sogar der eigene Garten bieten hervorragende Möglichkeiten für die Vogelfotografie. Die Grenzen setzt allein Ihre Fantasie.

Hier ist ein Foto, das ich direkt in meinem Garten von einem Allerweltsvogel gemacht habe: der Schwarzkopfmeise. Durch den Einsatz von Gegenlicht und das Einfangen dieses rasenden Vögelchens mitten im Flug ist mir ein einzigartiges Bild gelungen.

Eine Schwarzkopfmeise hebt von einer Sitzgelegenheit in Lexington, Massachusetts, ab.

Irrtum Nr. 2:
Für Vogelfotos müssen Sie die manuelle Belichtungssteuerung beherrschen.


Sind Sie eingeschüchtert von den vielen Tasten und Menüs an Ihrer Kamera? Haben Sie das Gefühl, dass Sie alle möglichen Einstellungen kennen müssen, einschließlich des „vollmanuellen“ Modus, um gute Bilder machen zu können? Ich denke, die Beherrschung der manuellen Belichtung ist immer eine gute Idee, und sie wird deiner Fotografie am Ende helfen, aber nur ein kleiner Teil der Situationen in der Vogelfotografie erfordern diesen Ansatz.

Mit meinen vordefinierten Einstellungen können Sie die meiste Zeit erfolgreich sein. Verwenden Sie den Modus „Verschlusspriorität“, stellen Sie die Verschlusszeit auf 1/1.000 s, stellen Sie den ISO-Wert auf 800, setzen Sie den Autofokus in den Modus „Kontinuierlich“ und fokussieren Sie mit dem Daumen auf der Rückwärtstaste.

Ich verwende diese oder ähnliche Einstellungen immer dann, wenn ich ins Gelände gehe, ohne zu wissen, was ich vorfinde, und ich habe unzählige gelungene Bilder mit diesen Einstellungen gemacht. Nachstehend nur ein Beispiel.

Eine Kragenente in den Wellen vor der Küste von Cape Ann, Massachusetts.

Irrtum Nr. 3:
Die neuesten Autofokus-Objektive sind für die Aufnahme von fliegenden Vögeln unerlässlich.


Autofokus ist ein sehr nützliches Werkzeug für die Vogelfotografie. Es ist sehr hilfreich, um Vögel im Flug zu fotografieren, und mit neueren Kameras, die über Funktionen wie Augenverfolgung verfügen, wird es immer besser. Es ist ein Irrtum, dass der Autofokus unverzichtbar ist, denn in der Vogelfotografie gibt es sehr viele Situationen, in denen man keinen Autofokus braucht.

Zum Beispiel: Starts und Landungen. Um diese Spitzenmomente einzufangen, ist es viel besser, vorzufokussieren und abzudrücken, wenn der Vogel abhebt oder ins Bild kommt. Da sich der Vogel plötzlich durch das Bild bewegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Ihr Autofokus erfolgreich nachführen kann.

Hier ist ein Beispiel für eine Aufnahme, bei der ich den Ast vorfokussiert habe und dann auf die Rückkehr des Turmfalken gewartet habe.

Ein amerikanischer Turmfalke landet auf einem beliebten Sitzplatz im kalifornischen Coachella Valley.

Irrtum Nr. 4:
Stative sind überflüssig, weil man mit hohen ISO-Werten fotografieren kann.


In letzter Zeit meinten viele, dass sie kein Stativ mehr dabei haben, weil sie mit den hohen ISO-Einstellungen der neueren Kameras ständig aus der Hand fotografieren können. Es ist wahr, dass neuere Kameras, die hochwertige Bilder bei höheren ISO-Werten aufnehmen, es uns ermöglichen, bei schwächerem Licht längere Verschlusszeiten zu erreichen und Freihandaufnahmen zu machen. Bildstabilisierte Objektive sind auch hilfreich, wenn sich Ihr Motiv nicht bewegt. Bedeutet dies aber, dass Kamerahalterungen überflüssig sind? Ganz und gar nicht!

Es gibt viele Möglichkeiten, wie ich mit Dreibein- und Einbeinstativen bessere Fotos aufnehme. Das Wichtigste, würde ich sagen, ist die Vorbereitung. Es gibt viele Situationen in der Vogelfotografie, in denen man darauf wartet, dass der Vogel etwas tut – z. B. darauf, dass ein sitzender Vogel abhebt, oder darauf, dass ein Vogel in seinem Nest landet und Futter bringt. In solchen Situationen sind Ihre Erfolgschancen viel höher, wenn Sie ein Stativ verwenden, um Ihre Kamera in Position zu halten und die Aufnahme perfekt auszurichten. Sie können Ermüdungserscheinungen vermeiden, den Bildausschnitt sorgfältig festlegen und den zuverlässig abdrücken.

Es gibt noch viele andere gute Gründe für die Verwendung eines Dreibein- oder Einbeinstativs, z. B. das geringere Risiko, Vögel durch plötzliche Bewegungen zu erschrecken. In meinem Gitzo-Blogbeitrag zu den „ den fünf Gründen, weswegen ich Stative für die Vogelfotografie verwende " , erfahren Sie mehr.

Ich hoffe, dass ich mit einigen weitverbreiteten Irrtümern aufräumen konnte und dass Sie von nun an mehr Spaß und Erfolg bei der Vogelfotografie haben.

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Dieser Kurs richtet sich an Anfänger und fortgeschrittene Fotografen, die ihre Kameraeinstellungen für die Action-Fotografie nach Tim Lamans Ansatz meistern wollen.

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Über Tim Laman 

Tim Laman ist Feldbiologe und Fotojournalist für Wildtiere. Tim ging 1987 zum ersten Mal nach Borneo und seine bahnbrechenden Forschungen im Regenwald führten zu einem Doktortitel in Harvard und 1997 zu seinem ersten Artikel im National Geographic. Seiner Leidenschaft für die Erkundung unberührter Natur geht er regelmäßig als freier Mitarbeiter der Zeitschrift „National Geographic“ nach, in der er mittlerweile 23 Artikel veröffentlicht hat.